28.10.08 Gott verändert Menschen

Lesung:Apg. 9, 1-12.17-18 (nach der neuen Genfer Übersetzung):

Die Umkehr des Saulus: vom Verfolger der Gemeinde zum Nachfolger Christi

1 Saulus führte weiterhin einen wütenden Kampf gegen die Jünger des Herrn. Er drohte ihnen mit dem Tod und war entschlossen, die Gemeinde auszurotten. Auch in Damaskus wollte er die Anhänger der neuen Lehre aufspüren, um sie alle – Männer wie Frauen – in Ketten nach Jerusalem zu bringen. Zu diesem Zweck wandte er sich an den Hohenpriester und bat ihn um Briefe ´mit einer entsprechenden Bevollmächtigung`, die er den Synagogen in Damaskus vorlegen wollte. 3 Als er nun nach Damaskus unterwegs war und die Stadt schon fast erreicht hatte, leuchtete plötzlich vom Himmel her ein Licht auf. Von allen Seiten umgab ihn ein solcher Glanz, 4 dass er ´geblendet` zu Boden stürzte. Gleichzeitig hörte er, wie eine Stimme zu ihm sagte: »Saul, Saul, warum verfolgst du mich?« – 5 »Wer bist du, Herr?«, fragte Saulus. Die Stimme antwortete: »Ich bin der, den du verfolgst; ich bin Jesus. 6 Doch jetzt steh auf und geh in die Stadt! Dort wird man dir sagen, was du tun sollst.« 7 Die Männer, die mit Saulus reisten, standen sprachlos ´vor Bestürzung` dabei; sie hörten zwar die Stimme, sahen aber niemand. 8 Saulus richtete sich vom Boden auf und öffnete die Augen, aber er konnte nichts sehen. Seine Begleiter mussten ihn bei der Hand nehmen und nach Damaskus führen. 9 Drei Tage lang war er blind, und er aß nichts und trank nichts. 10 In Damaskus lebte ein Jünger ´Jesu` namens Hananias. Zu ihm sagte der Herr in einer Vision: »Hananias!« – »Ja, Herr?«, erwiderte Hananias. 11 »Geh in die Gerade Straße«, befahl ihm der Herr, »und frage im Haus des Judas nach einem Saulus aus Tarsus. Du musst Folgendes wissen: Saulus betet, 12 und in einer Vision hat er gesehen, wie ein Mann namens Hananias in sein Zimmer tritt und ihm die Hände auflegt, damit er wieder sehen kann.« (…)

18 Im selben Augenblick war es, als würden Schuppen von Saulus’ Augen fallen: Er konnte wieder sehen! Saulus stand auf und ließ sich taufen. 19 Und nachdem er etwas gegessen hatte, kehrten seine Kräfte zurück. Saulus war erst einige Tage bei den Jüngern in Damaskus.

Vom Paulus zum Saulus – Gott verändert Menschen

Anfang der Woche war ich auf der HGV Hauptamtlichentagung in Gunzenhausen. Neben Schwester Babette – von der ich im Übrigen herzliche Grüße ausrichten soll – habe ich auch dort einen ganzen Schwung Kollegen getroffen. Rund siebzig an der Zahl, einige kannte ich bereits, andere habe ich kennen gelernt.

Es war auch sehr spannend von daher, dass wir insgesamt 18 Neue im HGV sind. Es waren also eine ganze Menge Leute, die sich dort neu vorgestellt haben.

Am Montagabend haben wir eine Vorstellungsrunde gehabt, in der wir neuen uns aweng vorgestellt haben. Es war sehr interessant, ein bisschen aus dem Leben der anderen zu hören. Wie sie dazu gekommen sind, Hauptamtliche zu werden. Wie Gott in dem Leben der Einzelnen gewirkt hat. Wie Gott Menschen auch verändert hat.

Sehr bewegt hat uns alle die Geschichte von Michael Beyerlein, der jetzt in Straubing eine Arbeit unter Ausländern und Asylanten mit betreut. Er ist jetzt Mitte vierzig und noch gar nicht so lange Christ.

Er erzählte: Gott hat mir schon sehr früh ein Herz für Ausländer und Asylanten gegeben. Mit 35 wurde ich Vorsitzender der Republikaner. Es hat einige Sekunden gedauert, bevor wir verstanden hatten, was er gesagt hat. Nach allgemeinem Gelächter über diese Formulierung haben wir verstanden, was da geschehen war: Gott hat diesen Michael Beyerlein verändert. Er hat in das Leben dieses Mannes gesprochen und ihn dazu gebracht, eine 180°-Wende zu absolvieren.

Mich beeindruckt es immer wieder zutiefst, von Menschen zu hören und zu lesen, wie Gott sie verändert. Dass wirklich in ihrem Leben spürbar und für ihr gesamtes Lebensumfeld es sichtbar wird, dass sich bei ihnen grundlegend etwas verändert hat.

Auch in der Bibel lesen wir von Menschen, deren Leben von Jesus verändert wurde. Wir lesen von Menschen, die auch heute noch sichtbare Spuren im Leben anderer hinterlassen – und das, obwohl sie alle mindestens schon 2000 Jahre lang tot sind.

So wird z.B. von Paulus berichtet, dass auch er eine saubere 180°-Wende hingelegt hat. Wir haben in der Lesung von seiner Begegnung mit Jesus gehört. Mit dem gleichen Eifer, mit dem er vorher die Christen verfolgte, redete er plötzlich von Christus. Aus dem Christenverfolger wurde selber ein Christ. Der Jäger wurde zum Gejagten.

Was bewirkte aber diese 180°-Wendung bei Paulus? Wie kam es, dass er seine Gesinnung dermaßen radikal änderte?

Einzig und allein die Begegnung mit Jesus Christus brachte ihn dazu. Nur wer Jesus selber begegnet, der kann auch wirklich von ihm angesteckt werden. Nur zu wem Jesus höchstpersönlich redet, nur dessen Herz kann auch wirklich angesprochen werden.

Auch das sehen wir bei Paulus.

In Israel gab es nur wenige Menschen, die sich so gut in der Heiligen Schrift auskannte wie Paulus. Er hatte die Thora – die uns heute als „das Alte Testament“ bekannt ist – von vorne bis hinten studiert. Er kannte jedes noch so kleine I-Tüpfelchen. Er kannte jede Auslegung und Lehrmeinung.

Aber gerade dieses Wissen versperrte ihm zunächst einmal den Weg zu Jesus Christus. Bei ihm war echter Glaube bloße Theorie. Er kannte nur die Theorie und praktizierte auch nur die Theorie. Von der wirklichen Praxis hatte er aber keine Ahnung.

Ich habe ja ursprünglich mal ein Handwerk gelernt. Als Handwerker ist man ja erst einmal im Grunde ein Praktiker, den die Theorie nicht wirklich interessiert. Komplizierte Berechnungen sind ihm egal. Ein Praktiker ist daran interessiert, dass etwas funktioniert und klappt. Auf die Theoretiker, die im Büro sitzen, wird meistens ein wenig hochnäsig herabgeschaut. Sie werden als Traumtänzer abgestempelt, die von der Praxis keine Ahnung haben.

In einer unserer Fertigungshallen hing damals von daher ein Spruch, der meiner Meinung nach in dieser Hinsicht den Nagel auf den Kopf trifft: „Theorie ist, wenn man alles weiß, aber nichts klappt. Praxis ist, wenn alles klappt, aber keiner weiß, warum!“

Paulus kannte im Endeffekt nur die Theorie. Sein Glaube war ein Gesetzesglaube. Sein Glaube bestand aus stumpfer Theorie. Erst die Begegnung mit Jesus Christus machte seinen Glauben lebendig und praktisch. Erst die Begegnung mit Jesus Christus machte ihm klar, dass alle Theorie nichts bringt, solange sie praxisfremd ist!

Und das war nicht nur bei Paulus so, das ist auch bei uns heute so. Es gibt viele Menschen, die sich absolut gut in der Bibel auskennen. Aber der praktische Glaube ist ihnen fremd. Nur, wen Christus persönlich anspricht, der kann auch wirklich ein Leben mit ihm starten.

Sicherlich wird es bei kaum einem so krass sein, wie es bei Paulus geschehen ist. Ihn hat Jesus wirklich mehr als direkt angesprochen. Und bei Paulus hinterließ die Begegnung mit Jesus auch im wahrsten Sinne deutliche Spuren. Spuren, die ihn dazu brachten, die Verfolgung in eine Nachfolge umzuwandeln. Aus dem Verfolgen Jesus wurde bei Paulus plötzlich ein Nachfolgen Jesus.

Gott war bei Paulus regelrecht unwiderstehlich. Er hat ihm im Endeffekt die Pistole auf die Brust gesetzt: „Entweder, du folgst mir nach, oder du wirst blind bleiben!“ Dieser Zustand hätte lebenslang Auswirkungen auf Paulus irdisches Leben gehabt. Er hatte nur diese beiden Optionen: Entweder nachfolgen oder blind bleiben!

Irgendwann kam Paulus dann an den Punkt, an dem er gesagt hat: „Okay, Jesus, ich mache was du willst. Ich werde deinen Weg gehen!“ Die Ernsthaftigkeit seiner Entscheidung hat er noch mal durchs Fasten unterstrichen. Er hat Gott deutlich gemacht: Es ist mir ernst! Ich verweigere die Nahrungsaufnahme, so ernst ist es mir mit dir!

Erst in diesem Moment hat Gott Ananias zu ihm geschickt und ihn wieder sehend werden lassen.

Und Paulus hat dann ja auch postwendend radikale Konsequenzen aus seiner Umkehr gezogen. Er hat nicht gesagt: „Hau, das ist ja toll, dass ich wieder sehen kann! Jetzt kann ich erst mal mich hinsetzen und schön was essen und ordentlich einen drauf machen!“

Nein, er hat sich als erstes taufen lassen und erst nachdem er dadurch auch symbolisch fest gemacht hat: Ich will zu Jesus gehören!“, erst danach hat er sich hingesetzt und wieder etwas gegessen.

Wer wirklich von Jesus angesprochen ist, dessen Leben muss sich auch verändern. Dessen Leben muss sich im Sinne Jesu verändern.

Dabei kann man nicht ein Leben mit Jesus von sich aus starten. Man muss von Jesus selber angesprochen werden.

Zu einem Leben mit Jesus gehören immer noch zwei: Der Mensch und Jesus. So wie in einer Ehe. Ich als Mann kann auch nicht einfach beschließen: Ich heirate die und die Frau einfach mal, egal was sie sagt! Die Frau muss auch damit einverstanden sein. Eine Beziehung muss immer auf Gegenseitigkeit beruhen. Sonst ist es keine echte Beziehung im eigentlichen Sinne.

Man muss sich aufeinander einlassen, man muss auch Veränderung in seinem Leben in kauf nehmen. Man muss sich jeden Tag auch wieder neu darauf einlassen, mit Jesus zu leben. So, wie man sich in einer Partnerschaft auch immer wieder jeden Tag neu auf den anderen einlassen muss und sich für ein Leben mit dem anderen entscheiden muss. So muss ich mich auch jeden morgen wieder neu entscheiden und sagen: „Jesus, auch diesen Tag will ich mit dir beginnen. Auch an diesem Tag möchte ich mit dir gemeinsam durchs Leben gehen!“

Daran wird auch deutlich: Die Veränderung eines Menschen beginnt nicht automatisch. Es ist kein Schalter, der umgelegt wird und der Mensch ist plötzlich neu. Christsein ist eine täglich neue Entscheidung für Christus. Es ist ein täglich neues Fragen: „Jesus, was willst du heute von mir?“

Christsein ist kein Termin im Kalender. Christsein bedeutet nicht, 15 Minuten morgens in der Bibel zu lesen. Es bedeutet nicht, sonntags in den Gottesdienst zu gehen. Wenn sich mein Christsein darauf beschränken würde, würde kaum jemand aus meinem Umfeld eine Veränderung in meinem Leben feststellen.

Aber: Gott verändert Menschen. Er verändert das Leben von Menschen. Diese Veränderung spiegelt sich im gesamten Leben wieder.

So, wie ich es eingangs von Michael Beyerlein erzählt habe. Als Christ konnte er einfach kein Ausländerfeind mehr sein Er hätte sonst elementar den Gesetzen Christi widersprochen. „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat“ .

Eine Frau aus unserer Gemeinschaft in Weener erzählte mal von einem ehemaligen Arbeitskollegen. Er war immer jemand gewesen, den man – entschuldigt den Ausdruck – als einen regelrechten Kotzbrocken beschreiben konnte.

Eines Tages aber merkte man regelrecht eine Veränderung in seinem Leben. Plötzlich war er nett und freundlich, hilfsbereit und zuvorkommend. Er war Jesus begegnet. Er hatte erkannt, dass es mehr für ihn im Leben gibt, als die Rolle des Bösewichts. Nach der Begegnung mit Jesus konnte er nicht mehr so weiterleben wie bisher.

So war es eben auch bei Paulus. Er konnte einfach nicht mehr so weitermachen, wie bisher. Dann wäre er kein echter, authentischer Christ gewesen. Dann hätte er auf der einen Seite gesagt: „Ich glaube an Christus“ aber auf der anderen Seite hätte er die Christen verfolgt. Er konnte sein Leben gar nicht mehr so weiterleben wie bisher.

Das Leben mit Jesus hat sein Leben radikal verändert. Es hat sich in alle seine Lebensbereiche hindurch gezogen. Er hat ganz bewusst erkannt: Mein alter Weg war falsch, ich muss eine neue Richtung einschlagen. Ich muss einfach einen anderen Weg gehen. Anders geht es gar nicht!

Wer Jesus in sein Leben lässt, der muss sich auf eine radikale Veränderung des ganzen Lebens einlassen. Wer Jesus in sein Haus einlässt, der muss mit einer Grundrenovierung rechnen. Der muss damit rechnen, dass nicht nur ein Zimmer, also ein Lebensbereich in seinem Leben verändert wird, sondern dass radikal das ganze Haus grundrenoviert wird.

Jesus will Herr über unser ganzes Leben sein. Seine Veränderung soll alle Bereiche unseres Lebens betreffen. Paulus schreibt in seinem Brief an die Kolosser: „Alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus, und dankt Gott, dem Vater durch ihn!“

Alles, was wir sagen, und alles, was wir tun, soll im Namen von Jesus, dem Herrn, geschehen! Das betrifft unser ganzes Leben. Nicht nur die Gemeinde, in die wir gehen. Nicht nur unser Familienleben. Sondern all unser Handeln und Sagen. Unser ganzes Leben sollen wir im Namen Jesu führen.

Wie kann das konkret aussehen? Wie kann ein bewusstes Leben im Namen Jesu möglich sein?

Im Namen Jesu zu leben bedeutet doch, dass ich in allen Bereichen meines Lebens Jesus nacheifere. Dass ich mich in allen Belangen frage: Was würde Jesus jetzt an meiner Stelle machen? Was würde Jesus in der Situation, in der ich mich gerade befinde, jetzt tun? Wie würde er reagieren? Wie kann mein Leben Christus immer ähnlicher werden?

Lasst uns mal gemeinsam darüber nachdenken. Gehen wir einen Tagesablauf einmal durch. Ich möchte euch ermutigen, dass ihr euch die folgenden Situationen einmal vorstellt. Das ihr euch selber in diese Situationen hineinversetzt und euch fragt, wie es bei euch aussieht. Und dass ihr euch dann fragt, was Jesus an eurer Stelle tun würde.

· Morgens das Aufwachen. Wenn jemand mich beim Aufwachen beobachten würde. Würde er zu dem Ergebnis kommen, dass Jesus so aufwacht?

· Das Frühstück. Was bedeutet es, im Namen Jesu zu frühstücken? Gibt es bei mir überhaupt Frühstück, oder bin ich morgens so gehetzt, dass ich geradezu vor Jesus weglaufe und er Probleme hat, hinter mir herzukommen – im übertragenen Sinne?

· Die Fahrt zur Arbeit. Wie fährt man in Jesu Namen Auto? Würde Jesus vielleicht auf dem Beifahrersitz nervös werden? Was würde er darüber sagen, dass ich insgeheim die anderen Verkehrsteilnehmer als „Idioten“ beschimpfe?

· Auf dem Weg zur Schule im Schulbus – wie würde ich mich verhalten, wenn Jesus wirklich da wäre?

· Wie sieht es am Arbeitsplatz aus? Oder in der Schule? Auf welche Machenschaften lasse ich mich ein? Wie sieht es mit Mobbing aus? Mit kleinen oder größeren Küngeleien? Mit Spickzetteln in Klassenarbeiten? Würde Jesus das machen? Was würde er wohl dazu sagen?

· Nachmittags dann Internet und Fernsehen. Welche Homepages würde Jesus besuchen? Welche Programme würde er schauen? An welchen Punkten würde er vielleicht sogar traurig werden über das, was ich mir anschaue?

· Wie gehe ich mit meinen Sorgen und Ängsten um? Wie kann ich mit ihnen umgehen, wenn ich mein Leben im Namen Jesu lebe? Vertraue ich wirklich auf das Wort: „Alle eure Sorgen werft auf ihn, er wird es wohl machen!“?

· Die alltäglichen Haushaltspflichten. Wie kann es aussehen, im Namen Jesu vielleicht Staub zu saugen? Oder Rechnungen zu bezahlen?

· Wie würde mein Einkauf aussehen? Würde ich andere Dinge kaufen, wenn er dabei wäre? Oder vielleicht von manchen Dingen weniger? Würde ich mit meinen Finanzen anders umgehen, wenn Jesus dabei wäre?

· Wie gehe ich mit Beziehungen um? Familie, Freunde, Nachbarn, Bekannte… Wie heißt es im Kolosserbrief: „Alles, was wir tun in Worten und in Taten, das sollen wir im Namen Jesu tun?“

Wie schnell ist ein unbedachtes Wort gesagt, das trifft wie ein Pfeil. Wie viele Worte müssten wir zurücknehmen, wenn wir uns bewusst wären, dass Jesus dabei wäre? Wie viele Taten müsste ich dann ungeschehen machen, wenn es nur ginge?

Ich habe die ganze Zeit immer im Konjunktiv gesprochen. Ich habe gesagt: „Was wäre, wenn Jesus dabei sein würde?? Vielleicht ist diese Formulierung dem ein oder anderen bereits sauer aufgestoßen weil er sich gefragt hat: „Wieso, wenn Jesus anwesend wäre? Er ist anwesend!“

Richtig. Jesus ist anwesend beim Aufstehen, auf dem Weg zur Arbeit, in der Schule, beim Staubsaugen, in Klassenarbeiten, wenn wir Angst haben,…

Aber: Verhalte ich mich auch so? Ich kann Jesus nicht sehen. Das ist die große Schwierigkeit am Leben mit Jesus. Er ist nicht wirklich sichtbar anwesend. Wenn Jesus aber unser Leben verändert, dann bedeutet das, dass wir ein Bewusstsein dafür entwickeln müssen, dass Jesus da ist. Immer und überall. Dass wir uns sicher sind: Er ist da. Dass wir es wissen, dass er uns umgibt!

Ein Leben mit Jesus zu beginnen bedeutet zunächst einmal nicht, dass wir in einen ungeheuren Aktivismus verfallen müssen und 1000 neue Sachen anfangen müssen.

Es bedeutet vielmehr, dass wir unser bisheriges Leben im Namen Jesu verbringen. Dass wir Jesus überall mit hinnehmen. In unseren Alltag. In die Schule. An unseren Arbeitsplatz. In unseren Haushalt, in unsere Beziehungen, wo auch immer wir sind.

Es bedeutet sicherlich auch, alte und liebgewonnene Dinge, die Jesus wohl nicht so gut finden würde, sein zu lassen.

Aber es bedeutet nicht, dass das alles von heute auf morgen geschehen muss. Ich glaube, dass viele Menschen daran verzweifeln. Dass sie denken: „Mensch ich bin doch jetzt Christ, jetzt muss das Leben als Christ doch klappen!“ Oder dass Menschen denken: „Mensch der andere hat sich doch jetzt bekehrt und dennoch hat er mich neulich belogen!

Auch ein Paulus hat sich Jahre nach seiner Bekehrung über sich selber beklagt und geschrieben: „Das Gute, was ich will, das tue ich nicht. Aber das Böse, was ich nicht will, das kann ich einfach nicht lassen!“ (Rö 7,19)

Christsein ist ein immer fortlaufender Prozess. Es bedeutet, dass man nie fertig damit ist, Christ zu sein. Christsein bedeutet auch, immer wieder neu schuldig zu werden. Es bedeutet, auch immer wieder zu sündigen. Christsein bedeutet dabei aber immer auch, täglich neu aus der Vergebung Christi zu leben.

Wenn Jesus ein Leben verändert, bedeutet das also nicht, dass man von nun an ein perfektes Leben führt. Nicht einmal ein so eindrückliches Erlebnis wie die Begegnung des Paulus mit Jesus hat sein Leben so sehr verändert, dass er ohne Sünde gelebt hat.

Aber es ist eine Hilfe, wenn man sich immer wieder bewusst macht: Ich lebe in der Gegenwart Jesu. Jesus ist jetzt bei mir. Er sitzt beim Autofahren neben mir. Er ist auch mit dabei, wenn ich auf eine Party gehe. Er sitzt auch mit im Schulbus. Er ist dabei, wenn ich im Internet surfe oder Fernsehen schaue.

In einer Ehe oder einer Freundschaft ist es im Regelfall ja auch so, dass man Dinge lässt, die der andere nicht mag. Dass man Sachen nicht sagt, von denen man weiß, dass sie den anderen ärgern. Dass man Dinge nicht tut, die den anderen traurig machen.

Und so will Jesus auch unser Leben verändern. Dass wir uns dessen bewusst sind, dass er in jeder Minute unseres Lebens bei uns ist. Dass wir von daher auch jede Minute unseres Lebens so leben, wie es Jesus gefällt.

Der amerikanische Liedautor Keith Green hat ein Lied geschrieben, das dieses Bewusstsein meiner Meinung nach sehr gut und prägnant auf den Punkt bringt. Es ist eine Bitte an Jesus, dass er mein Leben verändern soll. Es heißt in diesem Lied:

„Mache mein Leben zu einem Gebet an dich. Herr, ich will nur das tun, was du von mir willst. Keine leeren Worte, keine Notlügen, keine halbherzigen Gebete, keine Kompromisse!“

„Mache mein Leben zu einem Gebet an dich!“ Was bedeutet das, sein Leben als Gebet an Jesus zu leben? Bei einem Gebet ist man doch in der Regel der Überzeugung, dass Jesus in diesem Moment auch wirklich da ist und mir zuhört. Dass Jesus dieses Gebet auch wirklich erhört. Man betet in dem Bewusstsein, dass Jesus auch wirklich gegenwärtig ist.

Und der Sänger bittet Jesus in diesem Lied um Hilfe, dass Jesus sein Leben auch wirklich so verändert. Dass er sein Leben wirklich in dem ständigen Bewusstsein lebt, dass Jesus gerade anwesend ist. Dass er sein ganzes Leben im Gebet vor Gott verbringt!

Sein Leben zu einem Gebet an Jesus zu machen, das bedeutet auch, Jesus in alle Entscheidungen seines Lebens mit einzubeziehen. Nicht nur halbherzig zu denken: „Ja, Jesus mag wohl da sein, aber ich lebe mal einfach so mein eigenes Leben! Wenn ich dann zu Hause bin, dann krame ich auch für ein paar Minuten die Bibel hervor, bete vor dem Essen und gehe sonntags in die Kirche.“

Wir sollen mit ganzem Herzen bei Jesus sein. Alle Notlügen sollen wir bleiben lassen. Alle Halbwahrheiten aus unserem Leben streichen. Alle leeren Worte, alle Lippenbekenntnisse sein lassen und uns in allen Lebenslagen zu Jesus stellen.

Mein Wunsch ist es, dass du dieses Gebet heute Mittag mit nach Hause nimmst. Egal, ob und wie lange du schon Christ bist. Dass Jesus auch dein Leben – vielleicht wieder neu – verändert und zu einem Gebet macht.

Amen.

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